Sten Woelm
Übersicht
Warte der Stunde
Warte der Stunde,
sie ist bereit;
gib deinem Munde
nur etwas Zeit.
Langsam wird reifen
der Stille Begehr
und dein Begreifen
wird täglich mehr.
Gib deine Hände
zu frohem Ring
und ohne Ende
wird jedes Ding.
Einmal ist Maien
in sel’ger Zeit
dann sei zum Freuen
wirklich bereit.
So lass uns gehn
So laß uns gehn:
– verborgen ist das Leise
und seine stille Weise
wird bald geschehn. –
Nur warten,
daß die Tiefe,
verschwiegen angerührt,
aus allen Wundern
eines riefe,
das uns entgegenführt. – –
Die Nachtigal
Du gehst daran vorbei
und spürst vielleicht die Stunde nicht,
die seltsam zwischen Tag und Licht,
wohl ein Geheimnis sei...
du gehst daran vorbei.
Vielleicht ist es nur dieser Ton
vom blühenden Magnolienbaum,
der in der Dämmrung wie ein Traum
rinnt in die Ewigkeit davon. –
Vielleicht ist es nur dieser Ton.
Und spät noch, wenn die Nacht schon still,
am Fenster nur der Vorhang wallt,
bedenkst du, daß ein Lied verhallt,
das dich nur leise rufen will...
die Nacht hält alle Dinge still.
Du schläfst und läßt es ruhig sein ?
Oh stirb nicht, Mensch, in dieser Nacht,
denn das Geheimnis ist erwacht
und schließt dich in das Leben ein –
du schläfst und läßt es ruhig sein ?
Quell
Quell, den das Leben erlauscht,
wenn die stille Fläche zerrinnt
und das Geschehn des Ew’gen beginnt,
Quell, der im Lautlosen rauscht - - -
Sammle aus Grund und Tiefen
aus klarem Geheimnisses Schloß,
die noch verborgen dich riefen -
und die im Vollzuge nicht schliefen
löse die Seelen los.
Ewiger Beginn in der Zeit,
die dunkel das Leben gebar -
sorglos um Angst und Gefahr
sind wir den Nächten befreit.
Nordische Trilogie
Die Berge
Steigen Berge aus den Tiefen,
die wie in der Nacht geschehn,
wallend dunkle Nebel riefen,
Nebel die als Träume wehn.
Und auf hohen, höchsten Graten
schimmert erstes Tageslicht,
ruft die Welt zu ihren Taten
mit der Erde Zuversicht.
Dann wie im geheimen Blühen
leuchtet lichter Tann und Tau,
bis die Firnen selbst erglühen
und betrösten Wald und Au.
Dunkel sinkt am Talesborde
Schatten samtenblauer Art
und ein Segel füllt im Fjorde
sich mit Wind zur weiten Fahrt.
Leise tönt der Hirten Weise,
die der Morgen stille hält,
und begleitet seine Reise
in die fremde, ferne Welt.
Das Meer
Wie von Ewigkeiten her
wandert und weht
das wiegende Meer,
Welle und Woge
rollt durch die Zeit -
Erde und Himmel
sind tröstend bereit
Sterne und Nacht
wie den Tag zu lieben,
Menschenherz zu freu’n
und zu trüben -
zitternd und stille
und endlos zu sein,
schließt das Meer
uns alle mit ein
in den ewigen Ring der Welt,
der uns befreit
und segnet und hält.
Der Himmel
Über Meer und Bergen und Fjorden,
über der Fülle im Wechsel der Zeit,
ist ein unendlicher Himmel geworden,
still und verschlossen, geöffnet und weit.
Wie eine Geste unsagbarer Hände
weht sein Gewölbe im traumlosen Tag,
daß er die Erde nun an sich bände,
Erde, die Großes und Gutes vermag.
Und wenn des Abends im Lautlosen wieder
Sterne die alten Bahnen begehn,
fallen die stillen Nebel hernieder,
still, als wäre gar nichts geschehn.
Nacht umschließt in dunkler Gebärde
tauend und tröstend ihr schlafendes Reich,
Berge und Himmel, das Meer und die Erde
sind im Tiefsten und Letzen sich gleich. -
Die Sternschnuppe
Und sie zieht
wie hingerissen
aus dem großen Raume Welt,
keiner kennt
ihr dunkles Müssen,
keiner weiß
wohin sie fällt. –
Ob vielleicht,
im Schlafe trunken,
sie an irgendetwas stieß,
das wie sie im All versunken
die Gefährten beten ließ - -
Nun erlischt
ihr leuchtend Wehen,
wieder schließt die Nacht sich zu –
war es Traum,
und wer hat sie gesehen,
keiner – oder –
du ? - -
Mittsommer
Uralten Wandels Geleucht
aus dem vertrauten Gestirn –
was uns das Leben gebeugt
deutet kein Herz und kein Hirn.
Streut sich das Leben hinaus
tief in die Furchen des Leids –
tönen in Ängsten und Graus
Stimmen der Tröstung bereits.
Wer einst im Frühling verging,
lustvoll im irdischen Wehn –
wird vielleicht im Ring
späterer Reife bestehn.
Leuchtend im kornschweren Feld
segnet der Gott unsre Tat –
tief in der Sterne Gezelt
grüßt uns die ewige Saat.