Rumi
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Geh nicht wieder schlafen
Die Brise des Sonnenunterganges
hat dir Geheimnisse zu erzählen.
Geh nicht wieder schlafen!
Du musst danach fragen,
was du wirklich bist.
Geh nicht wieder schlafen!
Menschen gehen vor und zurück über die Türschwelle,
wo die beiden Welten sich berühren.
Die Tür ist rund und offen.
Geh nicht wieder schlafen!
Komme, komm!
Komme, komm! du bist die Seele, die Seele mir im Reigen.
Komm, komm! du bist die Zeder, die Zeder hier im Reigen.
O komm! Ein Quell des Lichtes entspringt aus deinem Schatten,
Und tausend Morgensterne sie tanzen dir im Reigen.
Die Liebe hat mir Armen ergriffen mich am Nacken;
Ich halte dich ergriffen mit süßer Gier im Reigen.
Das Sonnenstäubchen tanzet, vom Licht der Sonn‘ ergriffen.
Licht, da du mich ergriffest, nicht mich verlier im Reigen.
Die Stäubchen kreisen schweigend, denn schweigend spricht die Liebe;
Mich schweigen lehret Liebe, so tanz ich ihr im Reigen.
Wohl endet der Tod
Wohl endet Tod des Lebens Not,
Doch schauert Leben vor dem Tod.
Das Leben sieht die dunkle Hand,
Den hellen Kelch nicht, den sie bot.
So schauert vor der Lieb ein Herz,
Als wie von Untergang bedroht.
Denn wo die Lieb‘ erwachet, stirbt
Das Ich, der dunkele Despot.
Du lass ihn sterben in der Nacht,
Und atme frei im Morgenrot.
Die Rose
Der Tag ist hie, das Fest ist hie der Rose;
Hell strahlen unsern Blicken die der Rose.
Die Liebe war des Rosenbeetes Gärtner,
Dass lieblich uns der Flor gedieh der Rose.
Als Kunde scholl: Die Rose naht! die Blumen
Sich senkten huldigend auf‘s Knie der Rose.
Die Tulpe schwieg, Narzisse blickte trunken,
Verwirrt vom Glanze schwankte sie der Rose.
Zum Efeu flüsterte Cypress: Erwache!
Was träumst du, Kind? Das Traumbild sieh der Rose!
Die Nachtigall, sie gellt in tausend Nächten
Nicht aus die ew‘ge Melodie der Rose.
Der Himmel kann der Rose Bild nicht fassen,
Besiegt erliegt die Phantasie der Rose.
Die Ros‘ ein Bote kommt vom Seelengarten,
Die Seelen alle harren hie der Rose.
Die Rose grüßt die Seele von der Heimat.
Die Seele drum vergesse nie der Rose.
Die Ros‘ entfaltet das Diplom der Schönheit,
Den Adelsbrief, den Gott verlieh der Rose.
Die Rose kränzet unsres Festes Becher;
Den Duft der Rausches in dich zieh der Rose.
Die Rose webet unsres Bundes Ketten;
Dem Liebesbande nie entflieh der Rose.
Verschlie´den Mund wie Knospen, und verstohlen
Sei deiner Lippe Lächeln, wie der Rose.