Dogen Zenji
Übersicht
San Sho Do Ei
Die Wellen verlieren sich am Ufer
Der leichte Wind hört auf zu wehen
Der verlassene Kahn treibt langsam dahin
In der Stille der Nacht
Der Mond am weiten Firmament
Breitet seine friedvolle Klarheit aus.
Auf dem rostfarbenen Laub
Der langen Wintermonate
Schimmert leicht der reine Schnee
Unter den Strahlen des Mondes
Welche Worte
Könnten diese unsagbare Schönheit
Ausdrücken?
Wohin er auch geht, woher er auch kommt,
Der Wasservogel hinterlässt keine Spuren
Aber er verliert niemals seinen Weg.
Wenn sie eintauchen und getragen werden
Von den sich bewegenden Wellen,
Wer könnte die Möwen
Von den Mandarinenten unterscheiden?
Wo ist unser wahres Dorf?
In der Tiefe der Berge?
Das Dorf unserer Geburt
Ist da wo wir leben,
Hier und jetzt.
Gesehen durch die Welt
Sind die meisten Wesen wahr
Und darüber hinaus
Ist der unendliche Himmel ohne Begrenzung.
Unser Geist hat keine Farbe
Niemand kann ihn sehen.
Er ist gerade so,
Wie Tau und Raureif.
In meiner kleinen, frostigen Einsiedelei,
Ob ich schlafe oder wache,
Habe ich nur diese Worte:
Ich bitte dich, Shakyamuni Buddha,
Gib mir dein Mitgefühl,
Habe Erbarmen mit mir,
Gib mir deine ewige Kraft und Weisheit.
Oh meine kleine Einsiedelei,
Wo ich meinen Winterschlaf halte,
In Gesellschaft
Der Wolken, des Eises und Schnees.
Niemand ist betroffen
Über das Fliehen der Tage
Und geängstigt
Durch den Lauf des Pferdes,
Im Galopp der Sonne folgend.
Die Blumen öffnen sich im Frühjahrsgewitter
Und am Fuße der Berge erhebt sich ein Duft.
Im aus Gras gebauten Dojo meiner Einsiedelei
Ist der Sommer angekommen.
Man holt jetzt den leichten Kolomo hervor
Und nimmt die Bambusläden von den Fenstern.
Der Frühling geht seinem Ende entgegen.
Er geht vorbei,
Selbst wenn wir ihn zurückhalten wollen,
Selbst wenn wir es bedauern.
Wenn jemand fragt, was Buddha ist,
Werde ich ihm antworten:
Wie Eis im Feuer.
Womit können wir unser Leben vergleichen?
Der Widerschein des Mondes
In einem Tautropfen am Schnabel des Wasservogels,
Kurz und unbeständig ist unser Leben – Mujo.
Der Weg wurde weitergegeben nach Westen.
Ich gebe ihn weiter nach Osten.
Ich fische den Mond
Und pflücke die Wolken,
Auf der Suche nach dem alten Geschmack.
Der Staub der gewöhnlichen Welt
Kann nicht eindringen
In das Innere der Einsiedelei,
In der verschneiten Nacht,
Tief im Gebirge.
Zazen Shin
Die Essenz des Zen wird weitergegeben von Buddha zu Buddha,
von Meister zu Meister.
Sie wird ohne verstandesmäßige Deutung verstanden
und ohne Frage nach dem Warum und Woher verwirklicht.
Da sie ohne Denken verstanden wird,
ist sie unwillkürlich dem Herzen vertraut.
Da sie ohne Frage nach dem Warum und Woher verwirklicht wird,
ist sie unbewusstes Satori.
Da sie unwillkürlich dem Herzen vertraut ist,
kann sie niemals beschmutzt oder unrein sein.
Da sie unbewusstes Satori ist,
kann sie nicht begrifflichen Vorstellungen wie gerade oder geneigt unterworfen sein.
Da diese Vertrautheit weder beschmutzt noch unrein sein kann,
offenbart sie sich von selbst unbewusst, ohne Selbst-Bewusstsein.
Da dieses Satori nicht in Begriffen wie gerade oder geneigt unterworfen sein kann,
ist es auf sich selbst gestellt eigenen Mitteln und Wegen überlassen.
Das reine Wasser durchdringt die Tiefen der Erde.
Wenn daher ein Fisch in diesem Wasser schwimmt,
hat er die Freiheit des wahren Fisches.
Der Himmel ist weit und klar bis zum Rand des Kosmos.
Wenn daher ein Vogel an diesem Himmel fliegt,
hat er die Freiheit des wahren Vogels.
Wenn der Geist des Menschen frei ist, ist er Mensch.